Meine Vision wird klarer: Wie wäre es, die Schule abzuschaffen, anstatt zu versuchen, die Schule immer lebensähnlicher zu machen, immer vielfältigere Lernsituationen zu kreieren? Wie wäre es, wenn die Kinder zurück ins Leben dürften, an den Ort, wo es keine Hausaufgaben und Klassenarbeiten gibt? Wie wäre es, wenn alle im Berufsleben neben dem Elternjahr Zeit hätten für Mentorentätigkeiten, ja, wenn es sogar zu den selbstverständlichen Aufgaben gehörte, im Rahmen der eigenen Berufstätigkeit mit Heranwachsenden unterschiedlichen Alters zu tun zu haben? Wie wäre es, wenn Schulen auch Handwerksbetriebe, Musiksääle, Sprachschulen, Softwareschmieden, Textredaktionen wären - und umgekehrt?
Kritische Fragen: Wie kannst du dann Bildungsabschlüsse garantieren, die in das europäische Kompetenzraster passen? Was machen dann die Lehrer? Gibt es dann gar nichts mehr, was alle Kinder verlässlich lernen? Selbst wenn wir das Ziel gut fänden, wie soll das schrittweise gehen? Brauchen Kinder nicht auch das Klassenzimmer als Heimat? Wo sollen wir solche Vernetzungen auf dem flachen Land, sagen wir mal in der Uckermark hinkriegen? Was ist mit all den Kindern, die keinen Bock auf gar nichts haben?
"Hurra, ich bin begrenzt"(Gunther Schmidt per Hörensagen) - die Zahl der Fragen darf ruhig noch lange wachsen.
Hier, in Heidelberg, für meine Umgebung (Altstadt), meine Klientel (Gymnasium), meine "Fächer" (Deutsch und Englisch) kann ich mir vorstellen:
- Ausbildung zu Stadtführern (in der Fremdsprache, Literatur-/Themenführungen)
- Sprachtandems mit den ausländischen Studenten, die zum Deutschlernen hierher kommen
- Fühler ausstrecken zum Institut für Übersetzen und Dolmetschen
- konsequenter Ausbau von Austauschen mit dem Ziel, das alle mindestens 3 Monate im Ausland sind und Geld dabei kein Hindernis ist
- Schülerzeitung gestalten im "Unterricht", nicht mit erschöpften Schülern, die das auch noch irgendwie in ihre übervollen Tage quetschen
- Deutsch"unterricht" = Lesezeit!!!! Reading Group-Atmosphäre
Kriterien der Schulentwicklung sind dann: Wie viele Schüler haben wie viel Zeit außerhalb der Schule verbracht? Und umgekehrt: Wie viel "Unterrichtszeit" haben Experten von außerhalb für wie viele Schüler gestaltet? Und dann jeweils: Wie können wir diese Zahlen steigern?
Posts mit dem Label Schule werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Schule werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Dienstag, 6. November 2012
Freitag, 12. Oktober 2012
Die Zukunft im Heute denken
Wie können wir die Zukunft im Heute denken? Das interessiert mich auf (mindestens) drei Ebenen:
- Wie kann man den Prozess einer kommunale Schulentwicklung so gestalten, dass in wertschätzender Weise all das, was ist - und gut ist, gut gemacht wird - aufgenommen wird und darin - bei den Akteuren - jeweils die Impulse aufnimmt für mutige, authentische Schritte in eine Zukunft des Lernens, das eben auch ein Lernen für eine offene Zukunft ist?
- Wie kann ich konkret meinen Schülern Instrumente zur Orientierung anbieten, die in der Phase des Übergangs von der Schule "hinaus" ins Leben hilfreich sein können?
- Wie kann ich für mich persönlich, bei Alltagsproblemen und Fragen der Lebensgestaltung, lernen, Lösungsansätze in der Gegenwart besser, schneller und genauer zu erspüren, also kürzer in Problemtrancen zu verharren?
"Presencing" ist eine Methode, die sich in diesem Zusammenhang interessant anhört. Presencing ist ein Kunstwort, zusammengesetzt aus "present" - Gegenwart - und "sensing" - Spüren. Dabei geht es darum, einen Zustand erhöhter Aufmerksamkeit zu erreichen, der es Individuen und Gruppen ermöglicht, "to shift the inner place from which they function" - also, innerlich einen neuen Standpunkt einzunehmen, von dem aus sie ihre Welt, ihr Problem, ihre Alltagsroutinen, ihre blinden Flecken beleuchten können. Im Prinzip ist das genau dieser Moment, der passiert, wenn wir mit den Streichhölzern in der Ebene nicht mehr weiterkommen, erkennen, das wir für die Lösung den Raum brauchen, auf einmal ganz schnell die Lösung haben, und im Nachhinein feststellen, dass wir die Streichhölzer zunächst ja schon vertikal , in den Raum reichend, in der Hand hatten - aber routinemäßig von unserem blinden Fleck ausgegangen waren, also, mit den Streichhölzer auf dem Tisch herumspielten.
Presencing gehört zu der "Theory of U", die Otto Scharmer, ein Dozent am MIT (Massachussetts Institute of Technology) entwickelt hat und in der Unternehmensberatung einsetzt.
Auf seiner Webseite bietet er großzügig seine Werkzeuge zum Download an.
Unter den Projekten, die sich auf seiner Seite präsentieren, ist auch ein spannender Film von einem Learning Lab der Universität Amsterdam: Eine Gruppe von - ja, Elitestudenten - lässt sich auf einen Pioneers Workshop ein, bei dem sie allerhand Selbst-, Gruppen- und Projekterfahrung sammeln und schließlich ihr weiteres Lernen selbst in die Hand nehmen. Beim ersten Treffen werden sie nachts, mit Taschenlampen, auf den Friedhof geschickt - ohne Agenda, ohne Aufgabe, einfach mit der Vorgabe: Hier ist soviel Zeit, hier ist ein Ort. Jetzt tut, was ihr wollt. Und schon findet Lernen statt! Natürlich ist der Friedhof ein hochsymbolischer Ort, so liegen Beschreibungen wie "man muss vom Ende her Denken", "Die Zeit ist knapp", "Man weiß nicht, wie die nächste Phase aussieht", "Ich habe darüber nachgedacht, was auf meinem Grabstein stehen soll" nahe. Einmal kommt der Dozent nicht zum Treffen - und nach 30 Minuten Plauderei fangen die Studenten an, sich darüber auszutauschen, was sie eigentlich machen wollen, und starten allerhand Projektideen, so dass sich der Dozent, als er endlich sehr verspätet eintrifft, im Sessel zurücklehnen kann. Ob die Projekte - ein Wasserstofftaxiservice, eine Webseite für gute Taten - wirklich die Welt verändern, ist nicht so wichtig, aber auf dem Weg dorthin, haben die Studenten sich mit allen Sinnen gespürt und sich auf vielen Ebenen neu erlebt (einen Mentor finden, vor einer Gruppe von Professoren sprechen, eine Diskussion leiten, Begeisterung und das Abflauen von Begeisterung erleben). Auf den letzten Bildern planen sie, wie sie im nächsten Semester weitermachen wollen. Einer schlägt eine schriftliche Prüfung vor, damit sie auch die Theorie bearbeiten. Dagegen viele Stimmen: Nein, dieser Kurs ist gerade darüber, dass wir keine schriftliche Prüfung brauchen.
Dieser Film zeigt deutlich, dass es wirklich gar nicht so sehr darum geht, gute neue Ideen zu haben - die gibt es haufenweise, überall, und wenn nicht, sind sie schnell entwickelt - sondern darum, alle Beteiligten, Lernenden in einen Prozess mitzunehmen, der es jedem Einzelnen ermöglicht, sich in einer Gruppe mit seinen stärksten Motivationsimpulsen einzubringen. Wenn das gelingt, überträgt sich diese gute Energie auf das Gesamte, die Summe ist dann viel, viel mehr als alle ihre Teile.
Warum gönnen wir uns das eigentlich nicht öfters?
- Wie kann man den Prozess einer kommunale Schulentwicklung so gestalten, dass in wertschätzender Weise all das, was ist - und gut ist, gut gemacht wird - aufgenommen wird und darin - bei den Akteuren - jeweils die Impulse aufnimmt für mutige, authentische Schritte in eine Zukunft des Lernens, das eben auch ein Lernen für eine offene Zukunft ist?
- Wie kann ich konkret meinen Schülern Instrumente zur Orientierung anbieten, die in der Phase des Übergangs von der Schule "hinaus" ins Leben hilfreich sein können?
- Wie kann ich für mich persönlich, bei Alltagsproblemen und Fragen der Lebensgestaltung, lernen, Lösungsansätze in der Gegenwart besser, schneller und genauer zu erspüren, also kürzer in Problemtrancen zu verharren?
"Presencing" ist eine Methode, die sich in diesem Zusammenhang interessant anhört. Presencing ist ein Kunstwort, zusammengesetzt aus "present" - Gegenwart - und "sensing" - Spüren. Dabei geht es darum, einen Zustand erhöhter Aufmerksamkeit zu erreichen, der es Individuen und Gruppen ermöglicht, "to shift the inner place from which they function" - also, innerlich einen neuen Standpunkt einzunehmen, von dem aus sie ihre Welt, ihr Problem, ihre Alltagsroutinen, ihre blinden Flecken beleuchten können. Im Prinzip ist das genau dieser Moment, der passiert, wenn wir mit den Streichhölzern in der Ebene nicht mehr weiterkommen, erkennen, das wir für die Lösung den Raum brauchen, auf einmal ganz schnell die Lösung haben, und im Nachhinein feststellen, dass wir die Streichhölzer zunächst ja schon vertikal , in den Raum reichend, in der Hand hatten - aber routinemäßig von unserem blinden Fleck ausgegangen waren, also, mit den Streichhölzer auf dem Tisch herumspielten.
Auf seiner Webseite bietet er großzügig seine Werkzeuge zum Download an.
Unter den Projekten, die sich auf seiner Seite präsentieren, ist auch ein spannender Film von einem Learning Lab der Universität Amsterdam: Eine Gruppe von - ja, Elitestudenten - lässt sich auf einen Pioneers Workshop ein, bei dem sie allerhand Selbst-, Gruppen- und Projekterfahrung sammeln und schließlich ihr weiteres Lernen selbst in die Hand nehmen. Beim ersten Treffen werden sie nachts, mit Taschenlampen, auf den Friedhof geschickt - ohne Agenda, ohne Aufgabe, einfach mit der Vorgabe: Hier ist soviel Zeit, hier ist ein Ort. Jetzt tut, was ihr wollt. Und schon findet Lernen statt! Natürlich ist der Friedhof ein hochsymbolischer Ort, so liegen Beschreibungen wie "man muss vom Ende her Denken", "Die Zeit ist knapp", "Man weiß nicht, wie die nächste Phase aussieht", "Ich habe darüber nachgedacht, was auf meinem Grabstein stehen soll" nahe. Einmal kommt der Dozent nicht zum Treffen - und nach 30 Minuten Plauderei fangen die Studenten an, sich darüber auszutauschen, was sie eigentlich machen wollen, und starten allerhand Projektideen, so dass sich der Dozent, als er endlich sehr verspätet eintrifft, im Sessel zurücklehnen kann. Ob die Projekte - ein Wasserstofftaxiservice, eine Webseite für gute Taten - wirklich die Welt verändern, ist nicht so wichtig, aber auf dem Weg dorthin, haben die Studenten sich mit allen Sinnen gespürt und sich auf vielen Ebenen neu erlebt (einen Mentor finden, vor einer Gruppe von Professoren sprechen, eine Diskussion leiten, Begeisterung und das Abflauen von Begeisterung erleben). Auf den letzten Bildern planen sie, wie sie im nächsten Semester weitermachen wollen. Einer schlägt eine schriftliche Prüfung vor, damit sie auch die Theorie bearbeiten. Dagegen viele Stimmen: Nein, dieser Kurs ist gerade darüber, dass wir keine schriftliche Prüfung brauchen.
Dieser Film zeigt deutlich, dass es wirklich gar nicht so sehr darum geht, gute neue Ideen zu haben - die gibt es haufenweise, überall, und wenn nicht, sind sie schnell entwickelt - sondern darum, alle Beteiligten, Lernenden in einen Prozess mitzunehmen, der es jedem Einzelnen ermöglicht, sich in einer Gruppe mit seinen stärksten Motivationsimpulsen einzubringen. Wenn das gelingt, überträgt sich diese gute Energie auf das Gesamte, die Summe ist dann viel, viel mehr als alle ihre Teile.
Warum gönnen wir uns das eigentlich nicht öfters?
Abonnieren
Posts (Atom)
